Im Oktober 2001 starb unsere West-Highland-White-Terrier-Hündin „Jacky“ im Alter von fast 14 Jahren.

Unsere anderen beiden Hunde, eine Schwarze-Terrier-Hündin, Babionka, und eine Staffordshire-Bullterrier-Hündin, Sky, benötigten aufgrund Ihres manche Leute beeindruckenden Äußeren wieder einen kleinen, niedlichen Mitstreiter. Daher machten wir uns auf die Suche nach einem kleinen Hund. Von mir aus auch wieder gern einen Terrier. Aber es kam anders:

Beim Stöbern in diversen Hundebüchern fand ich in „Kynos Großem Hundeführer“ auch die Vorstellung einer mir bis dahin nicht bekannten Rasse: Dem Tibet Spaniel. Neben der allgemeinen Rassebeschreibung fand ich folgenden Satz, der mich sehr neugierig auf diese kleinen Hunde machte: „Sie sind davon überzeugt, dass sie dein Haus schmücken, wenn sie ein Teil davon sind!“ Dieser kleine Hund mit diesem selbstbewussten (fast überheblichen?) Blick hatte es mir gleich angetan.

Eine Bekannte wies mich darauf hin, dass ganz in unserer Nähe eine Züchterin wohnt. Daher setzte ich mich dann Ende Oktober 2001 mit ihr in Verbindung, fragte an, ob ich denn diese kleinen Wuschelhunde einmal „in echt“ sehen dürfte. Und wir durften. Ein paar Tage später besuchten wir dann diese Züchterin und sie wurde „unsere Züchterin“: Maja Selbmann-Ernst aus Staufenberg-Dahlheim.

Wir wurden bei unserem Besuch umfangreich informiert und verstanden uns auf Anhieb. Aber was uns auch wichtig war: Die Aufzuchtbedingungen für die kleinen Hunde sind bestens. Die Welpen werden im Wohnbereich aufgezogen, sind immer mittendrin, lernen Alles von Anfang an kennen. Ob staubsaugen, andere Hunde, Katzen, Kinder, Auto fahren... Bestens vorbereitet auf die Welt verlassen sie ihre Züchterin.

Wir vereinbarten also, dass wir aus dem folgenden Wurf von ihrer Hündin Ajona vom Tempelwächter einen Welpen bekommen würden.

Und am 20.03.2002 war es dann so weit: Fünf kleine Tibet Spaniel erblickten das Licht der Welt. Und ich durfte sie nach wenigen Tagen besuchen. Und danach kam ich alle paar Tage, um ihre Entwicklung zu beobachten und einfach nur über diese niedlichen Wonneproppen zu staunen.

Da ich den kleinen Hund gern ausstellen wollte und die freie Wahl bei den Welpen hatte, wollte ich mich natürlich nicht so schnell auf einen bestimmten Hund festlegen. Als die Hündchen jedoch gut drei Wochen alt waren, wusste ich genau welchen ich wollte: Balin, den dicksten und frechsten (und schönsten).

Mit acht Wochen zog er dann bei uns ein. (Mit den beiden Hundedamen verstand er sich gleich prächtig. Beide Mädels sind aber auch recht pflegeleicht und daher hatte ich diesbezüglich keine Bedenken. )

Ich war Terrier gewohnt, aber mit dem was da auf mich zukam hatte ich erst einmal nicht gerechnet. Wohlwollend könnte man die meisten Verhaltenseigenschaften mit „selbstbestimmend“ interpretieren.

Balin spannte unsere Nerven in seinem ersten Lebensjahr auf eine harte Probe. Was ein kleiner Staffbull-Welpe, nämlich Sky, nicht geschafft hatte, er schaffte es: Biss die Ecken des Wohnzimmertisches rund, genauso wie die der Gründerzeitmöbel… War der Gartenzaun gerade augenscheinlich ausbruchssicher – er fand noch ein Loch. Als er älter wurde, mussten wir den Zaun um rund 30 cm erhöhen, denn ansonsten kletterte er einfach darüber. Er wollte keinesfalls weglaufen, nur seinen Aktionsradius vergrößern.

Aber er machte alles wieder wett! Er hatte sich ja bereits in seinen ersten Wochen bei uns in unser aller Herzen geschlichen (eigentlich nicht richtig geschlichen, wie bei ihm so üblich, war er mit einem Paukenschlag darin). Sogar im Herzen meines Mannes, für den er aufgrund seiner kleinen Größe eigentlich „kein richtiger Hund“ ist. Eigentlich. Komisch, dass sie sich oft mittags das Plätzchen auf dem Couchchen teilen…?

Balin ist aber besonders MEIN kleiner König. Er hat einen unglaublichen Charme, ist ein richtiger Schmuser und ein kleiner Held.

Und daher kam alles wie es kommen musste: Maja hatte im Juni 2003 wieder Welpen. Eigentlich wollten wir ja keinen vierten Hund. Aber einer war wieder dabei, der gut zu uns passen würde: Charon. Ein zweifarbiger kleiner Wonneproppen. Er zog dann im August 2003 bei uns ein.

Charon war als Welpe ein sehr viel pflegeleichterer Hund als es Balin war. Er hatte längst nicht so viel Schabernack im Sinn. Charon wuchs zu einem stattlichen Junghund heran. Auch ausgesprochen kinderlieb und verschmust. Leider vertrug er sich jedoch von Tag zu Tag weniger mit Balin. Er wollte halt auch unbedingt Chef sein. Die anfänglichen Kommentkämpfe steigerten sich und daher konnten wir Charon leider nicht bei uns behalten. Aber – Glück im Unglück – fanden wir ein schönes Plätzchen für ihn. Er lebt jetzt bei einer älteren Dame, hat ein großes Haus und einen wunderschönen Garten für sich allein.

Aufgrund dieser doch traurigen Erfahrung waren wir eigentlich entschlossen, keinen weiteren Rüden zu kaufen. Im Dezember 2004 bot Frau Wilkniß, eine Tibet Spaniel-Züchterin aus Königerode im Harz, über die KTR-Seite im Internet ihren sehr schönen, sehr erfolgreichen Deckrüden „Caesar Zlaty Stred“ zum Kauf an. Ich hatte ihn bereits auf Ausstellungen gesehen. Auf Majas Initiative hin verabredeten wir uns mit Frau Wilkniß zu einem „Ortstermin“ und nahmen Balin natürlich mit.

Die beiden Rüden vertrugen sich bei ihrem ersten Kennenlernen besser als erwartet. Es war natürlich kein euphorisches, freudiges Treffen. Aber auch kein aggressives. Kurz entschlossen nahm ich ihn dann mit. Familie Wilkniß nannte ihn immer „Champ“. Auf diesen Namen hört er auch sehr gut und daher blieb es dann auch unser „Champ“.

Champ ist sehr lieb und wesensfest. Er ist ein ruhiger, ausgeglichener Rüde. Obgleich er anfangs natürlich noch etwas unsicher in seiner neuen Heimat war. Und die beiden Rüden hatten auch die ein oder andere Meinungsverschiedenheit. Der eine, Balin, lebt bei uns seit seiner achten Lebenswoche, der andere, Champ ist ein halbes Jahr älter und ein erfahrener Deckrüde. Wer ist hier der Boss, he? Wer ist der Boss? …
Sie haben es geklärt: Balin ist der Boss. Und nun, wo das erledigt ist, kann Hund auch gemeinsam auf der Couch liegen.

Und ich bin unendlich froh, dass sie sich so zusammengerauft haben. Obwohl sie so verschieden sind. Der eine ist der „Junge Wilde“, der andere der „Elegante“. Beide sind ausgesprochene Schmuser, kleine Clowns, große Charmeure. Sie sind wesensfest, topfit und kerngesund. Und beide sind wunderschön, was sie auf zahlreichen Ausstellungen unter Beweis gestellt haben. Und ich habe beide wirklich sehr, sehr gern. Ich kann es mir nicht mehr vorstellen, ohne sie zu leben… und will es auch nicht!